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Aus der Herzegowina kam sie vor Jahren nach Österreich. Sie ist (auch schon, vor Jahren) Österreicherin geworden und lebt nun in Salzburg, ziemlich zurückgezogen und ganz auf ihre Malerei ausgerichtet. Sie lebt mit ihren Bilder, denen man diesen intensiven Umgang anmerken soll. Sie hat sie für Menschen gemalt. Sie möchte, dass Menschen die ansehen, die für sie gemalt sind.

Sie malt die Bilder nicht nur deswegen, weil sie davon leben möchte (muss). Sie hat starke Empfindungen und überzeugungen aus ihrer Heimat nach Österreich mitgebracht. Bilder werden von Menschen gemacht, um Menschen zu beeindrucken. Man kann z.B. Briefe schreiben, um das mitzuteilen, was jemand wissen soll. Sie schreibt keine Briefe, sondern malt Bilder (um sich mitzuteilen). Das auf alle Fälle weite und breite Thema ihrer Bilder ist der Mensch mitsamt seinen menschlichen Angelegenheiten.

Sie malt das, was es auf den Bildern, die sich an Menschen wenden, schon immer (und immer wieder) gegeben hat: Figuren, Gesichter, Landschaften je nachdem, Blumen und Tiere. Sie malt nicht, was sie sieht, sondern das, was sie kennt. Sie malt es so, wie es aus ihr "herauskommt". Wenigstens so wichtig wie die Farben, mit denen sie malt, sind die Gefühle, die ihre Farben auslösen. Malerei ist ein Medium auch insofern, dass Stimmungen Farben und Formen eingeben, die ihrerseits Stimmung machen. Ihre Bilder sagen etwas, was sie selber nicht (aber jedenfalls nicht so überzeugend) sagen kann. Sie möchte sich mit den Bildern, besser als sie es mit Worten kann, verständlich machen (verstanden werden).

Jugoslawien war (und ist) eine sogenannte Hochburg sogenannter naiver Malerei. Sie ist aber, obwohl sie als Jugoslawin in Jugoslawien aufgewachsen ist, ganz und gar keine naive Künstlerin. Sie hat in ihrer Heimat Zeichnen unterrichtet und dann in Wien sogar ein Studium begonnen. Sie malt, wie sie malt, nicht aus Tollpatschigkeit, (und weil sie es nicht anders könnte), sondern jener Unmittelbarkeit wegen, auf die es ihr ankommt. Auch wenn ihr vieles unklar vorkommt, gibt sie keine Welträtseln auf. Die Bilder, kommt mir vor, sind ihre besten, die sie so malt, wie ihr gerade zumute ist. Es ist keine durchaus schöne und liebenswürdige Welt, in die sie hineingeraten ist. Und sie hat beileibe wenig Grund zum Frohlocken. Dementsprechend sind es (und auch das hängt mit ihrer Person zusammen, die sie in ihre Bilder hineinlebt) dunkle Szenen in umdüsterten Gegenden und zugleich (weil der Mensch glauben muss, um zu überleben) ein eigentümliches Glossen und Gluten, Bangen und Hoffen.

Für die Presseberichterstattung z.B. gilt der Grundsatz, dass schlechte Nachrichten gute Nachrichten sind. Auch die Kunstbewerter (wo und wie immer sie sitzen mögen) können mit bösen Bildinhalten besser etwas anfangen, als mit irgendwelchen Dutzendidyllen. Sie malt das Böse, das ihr zusetzt, so bösartig, wie es ist. Sie malt beunruhigend, weil sie es selber ist. Sie würe gern anders sein (und ist es auch), wenn die Verhältnisse nicht so wären, wie sie nun einmal sind. Wer an den Menschen glaubt, glaubt aber auch an den möglichen guten Ausgang seiner Angelegenheiten. Ihre Malerei schliesst alles Mögliche ein und nichts wirklich aus.

Sie malt Bilder, um erst gar nicht auf den Gedanken zu kommen, zu verzweifeln. Sie gehört überhaupt nicht zur Szene und malt, ohne dorthin zu schielen. Was immer man ihren Bildern auch alles nachsagt, bestimmt nicht, dass sie aus Spekulation so gemalt worden sind. Auch das gehört zu ihrem (vergleichsweise doch "naiven", aber keinesfalls intellektuellen) Wesen einfach dazu. Sie malt, um schließlich auch auf ihre Malweise einzugehen: (um nicht zu behaupten: geradeso wie auch sonst Land auf/Land ab gemalt wird : spontan drauflos, freizügig, neuwild")

Und es wäre schlechthin ungerecht, gerade ihr, die man weiter nicht kennt, anzukreiden, was man bei anderen, die man einigermaßen besser (oder sogar recht gut) kennt, ausgesprochen goutiert. Sie ist vielleicht kein "brennheißer Tipp" für solche, die dem Kunstgeschehen den Puls fühlen, aber malt Bilder, die einen, der Bilder liebt, keineswegs "kalt lassen".

Otto Breicha

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