Ich bin. Ein kleines Mädchen wurde geboren. Ich erinnere mich kaum, aber mein Vater erinnert sich und erzählt. Er war in dem Moment so glücklich, junge Leute, einKind war auf der Welt, das Erste. "Eine Tocher!", hat die Hebamme geschrien, ohne Krankenhaus wurde ich geboren, es war damals so üblich in Herzegowina.

Einen Namen haben sie mir gegeben, Fatima. Meine Mutter war nicht so begeistert, daß ich ein Mädchen war, sie wollte unbedingt einen Jungen haben, aber sie hat mich trotzdem gepfelgt.
Als ich 5 Jahre alt war, hat sie mir erzählt, warum sie kein Mädchen haben wollte. Damals habe ich sie nicht verstanden, aber später einmal, als ich 10 oder 13 Jahre alt war, da habe ich meine Mutter in gewisser Weise verstanden. Mit 3 Jahren hat sie ihre Eltern verloren, hat sie mir erzählt, dann ist sie zur Pflege zu einer Familie gekommen. Die Leute waren gut zu ihr, aber die Umwelt hat sie nicht verstanden. Sie mußte schwer kämpfen, bis sie meinen Vater kennenlernt. Da hat sie verstanden, daß es nicht gut ist, eine Frau zu sein.
Wir waren nicht arm, aber auch nicht reich, wie die Verhältnisse zu der Zeit eben waren.
Ich konnte in die Schule gehen, ich mußte sogar die Schule besuchen, denn ich konnte nicht schwar arbeiten, weil ich ein körperlich schmächtiges Persönchen war.

"Es ist immer gut, etwas zu lernen", hat mein Vater gesagt, weil ich damals keine schwere Arbeit leisten konnte. Ich besuchte die Voksschule, ging ins Gymnasium, schloß die pädagogische Akademie ab und wurde Lehrerin. Ich kannte, was "Welt" ist, habe aber nicht gelernt, was passieren konnte. Ich arbeitete voller Liebe, um den Jungen weiterzugeben, was ich gelernt und gesehen hatte. Aber das war nicht genug für mich, denn ich wollt die Welt noch besser kennenlernen. Ich zog weiter von zu Hause weg, weiter in den Norden meines Landes, hatte eine Arbeit, die mich auch nicht befriedigt und wollte dann noch weiterlernen.
Dann bin ich nach Österreich gekommen, ich wollte die Welt weiter kennenlernen und weil ich ganz offen war, landete ich in Österreich. Mit 21 Jahren war ich voll von Gedanken und hatte viele Vorstellungen. Ich habe in Wien in der Universität Station gemacht.
Auf dem Weg meiner Wanderung habe ich einen Mann getroffen, bei ihm bin ich nach kurzer Zeit geblieben. Durch die Schule und die Arbeit und alle anderen Umstände sind wir nach Salzburg gezogen.

Das ist nicht gut gegangen. Ich habe mich gefragt warum, was, wohin, was suchen. Zusammenleben, einen Ring tragen, das heißt in allen Sprachen verheiratet zu sein.
Mit einem Menschen zusammenzuleben, was geschieht? Kannst du das ertragen, wer bist du, wohin gehst du, von wo kommst du her, diese Fragen wiederholen sich.
Dann kommt immer eine Frage, die in diesem ganzen "Ich bin" vorkommt, ich sage einfach "Ich bin", darüber gibt es nicht viel zu erzählen. Bis man zu diesem Früchtebaum kommt, gibt es viel zu erzählen, bis du zu einem Baum kommst, zu einem Leben von "Ich bin".
Es ist nicht so gekommen, wie ich es wollte, ich bin alleine zurückgeblieben, diese Gemeinschaft ist in Brüche gegangen, du bleibst, wo du angefangen hast.
Vom Land, dem weiten Ich, das alles bedeutet, was ich bin, bin ich in die Stadt Salzburg gekommen, mit 2 Kindern, ohne Wohnmöglichkeiten und ohne Arbeit, die mein Ich ausfüllen könnte.

Es hat lange gedauert, bis Dezember, bis ich eine Arbeit gefunden habe. Eine Frau ist zum Arbeitsamt gelaufen, zu allen Behörden. Da wurde ihr gesagt, diese Arbeit ist gut, dort wird sie Arbeit gekommen, Das einzige, was ich bekommen habe, war die Arbeit in einer Fabrik, ich erinnere mich heute noch an diesen Tag.
Eine Frau, was gibt es da viel zu erzählen. "Ich bin." Ich habe bekommen, das ich dachte.

Fatima